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Zahlungseingänge automatisch offenen Rechnungen zuordnen

· Allgemein

Jeden Morgen beginnt in vielen Unternehmen derselbe Prozess: Der aktuelle Kontoauszug wird mit den offenen Posten abgeglichen. Manche Zahlungen enthalten eine Rechnungsnummer, andere nur einen Firmennamen oder einen unvollständigen Verwendungszweck. Hinzu kommen Skonto, Teilzahlungen oder abweichende Schreibweisen zwischen Bank und ERP.

Für einen erfahrenen Mitarbeiter ist das Alltag. Für Software ist dieser Abgleich oft überraschend schwierig. Genau hier kann eine intelligente Anwendung unterstützen. Sie erkennt Zusammenhänge zwischen Zahlungseingängen und offenen Rechnungen und schlägt passende Zuordnungen vor. Der Mensch entscheidet am Ende selbst, spart sich aber einen großen Teil der manuellen Suche.

Warum der Abgleich von Zahlungseingängen so viel Zeit kostet

Ein Zahlungseingang ist selten so eindeutig, wie man es sich wünschen würde. Typische Beispiele aus der Debitorenbuchhaltung sind:

  • abweichende Firmennamen zwischen Bank und ERP
  • fehlende oder unvollständige Rechnungsnummern
  • Skontoabzüge
  • Teilzahlungen
  • Sammelüberweisungen für mehrere Rechnungen
  • Verwendungszwecke ohne verwertbare Informationen

Ein Sachbearbeiter kombiniert diese Informationen automatisch. Er erkennt, dass der Auftraggeber auf dem Kontoauszug trotz anderer Schreibweise zum Debitor im ERP gehört oder dass der Betrag aufgrund eines vereinbarten Skontos geringer ausfällt.

Genau diese Zusammenhänge lassen sich auch softwaregestützt erkennen. Anstatt jede Buchung vollständig manuell zu prüfen, werden passende Rechnungen vorgeschlagen und nur unklare Fälle zur Entscheidung vorgelegt.

Beispiel eines möglichen Workflows

Die folgende Ansicht zeigt einen möglichen Ablauf beim Abgleich von Zahlungseingängen.

Übersicht von Zahlungseingängen mit vorgeschlagenen offenen Rechnungen
Jeder Zahlungseingang erhält einen Vorschlag. Eindeutige Treffer können direkt ausgeglichen werden. Unklare Fälle werden zur Prüfung markiert.

Für jeden Zahlungseingang wird automatisch geprüft, ob ein passender offener Posten existiert. Dabei können mehrere Kriterien gleichzeitig berücksichtigt werden:

  • Name des Zahlungspflichtigen
  • Rechnungsnummer im Verwendungszweck
  • Zahlungsbetrag
  • vereinbarte Skontoregelungen
  • offene Rechnungen des Debitors

Ist die Zuordnung eindeutig, kann der Zahlungseingang direkt ausgeglichen werden. Bestehen mehrere Möglichkeiten, wird der Vorgang zur manuellen Prüfung gekennzeichnet.

Abweichende Firmennamen und Skonto automatisch erkennen

Ein typischer Praxisfall zeigt, warum ein rein technischer Rechnungsabgleich oft nicht ausreicht.

Auf dem Kontoauszug steht der Auftraggeber so, wie ihn die Bank liefert:

  • Mueller Textilien GmbH
  • RG 4402
  • 539,00 €

Im ERP steht der Debitor hingegen anders:

  • Müller Textil
  • Rechnung RE-4402
  • 555,67 €
  • 3 % Skonto vereinbart
Automatische Zuordnung eines Zahlungseingangs trotz abweichendem Firmennamen und Skonto
Trotz abweichender Schreibweise zwischen Bank und ERP sowie Skonto erkennt die Anwendung den passenden offenen Posten.

Für einen Mitarbeiter der Buchhaltung ist die Zuordnung offensichtlich. Die Rechnungsnummer passt, der Firmenname auf dem Auszug und im ERP meinen denselben Kunden und der Zahlungsbetrag entspricht exakt dem Rechnungsbetrag abzüglich des vereinbarten Skontos.

Eine intelligente Anwendung kann dieselben Informationen kombinieren und daraus einen eindeutigen Vorschlag erzeugen. Dadurch entfällt in vielen Fällen die manuelle Suche. Genau das ist maßgeschneiderte Prozessautomatisierung für Finanzprozesse: Regeln und Datenquellen zusammenführen, unklare Fälle dem Menschen überlassen.

Mehrdeutige Zahlungseingänge sicher bearbeiten

Nicht jeder Zahlungseingang lässt sich eindeutig zuordnen. Gerade bei Sammelüberweisungen oder mehreren offenen Rechnungen mit ähnlichen Beträgen gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Mehrere offene Rechnungen stehen für einen Zahlungseingang zur Auswahl
Wenn mehrere Rechnungen infrage kommen, schlägt das System passende Kandidaten vor. Die endgültige Entscheidung trifft weiterhin der Anwender.

In solchen Situationen sollte Software keine automatische Buchung durchführen. Stattdessen werden die wahrscheinlichsten Treffer angezeigt und der Sachbearbeiter entscheidet mit wenigen Klicks, welche Rechnung tatsächlich ausgeglichen werden soll.

Dieses Zusammenspiel aus Automatisierung und menschlicher Kontrolle reduziert den manuellen Aufwand erheblich, ohne die Sicherheit der Buchhaltung zu beeinträchtigen.

Wie sich diese Zuordnung technisch aus Rechnungsnummer, Betrag, IBAN, Name und einem Confidence Score aufbauen lässt, zeigt der Beitrag Rechnungs Matching programmieren: Bankumsätze automatisch offenen Posten zuordnen.

Von der Idee bis zur Integration

Die gezeigte Anwendung ist ein interaktiver Prototyp. Er veranschaulicht den späteren Arbeitsablauf und zeigt, wie Zahlungseingänge automatisiert offenen Rechnungen zugeordnet werden können. Die technische Anbindung an SAP, DATEV oder andere ERP-Systeme erfolgt erst im nächsten Schritt eines Projekts.

Für die Bewertung des Workflows ist zunächst keine direkte Verbindung zu SAP, DATEV oder einem anderen ERP-System erforderlich. Entscheidend ist die Frage, ob die Anwendung Zahlungseingänge zuverlässig erkennt, passende offene Rechnungen findet und die tägliche Arbeit in der Debitorenbuchhaltung vereinfacht.

Erst im nächsten Schritt folgt die technische Integration. Dazu gehören beispielsweise der Import von Kontoauszügen, der Zugriff auf offene Posten sowie die Übergabe der bestätigten Buchungen an das jeweilige ERP-System.

Wie sich Bankumsätze automatisiert abrufen lassen und welche Rolle PSD2, FinTS und EBICS dabei spielen, zeigt der Beitrag Bankumsätze per API abrufen: PSD2, FinTS oder EBICS?.

Fazit

Das automatische Zuordnen von Zahlungseingängen zu offenen Rechnungen spart Zeit, reduziert manuelle Sucharbeit und unterstützt die Debitorenbuchhaltung bei täglichen Routineaufgaben. Besonders bei abweichenden Firmennamen, Skonto, Teilzahlungen oder unklaren Verwendungszwecken zeigt sich der Mehrwert intelligenter Unterstützung.

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, eine Schnittstelle zu entwickeln. Entscheidend ist ein Workflow, der Buchhaltungsmitarbeiter zuverlässig unterstützt und nur dort eingreift, wo Automatisierung wirklich sinnvoll ist.

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